Als sein Vater stirbt, gibt die Krankenschwester dem 8-Jährigen ein Kästchen. Darin lebt die Seele seines Vaters weiter.

Als sein Vater stirbt, gibt die Krankenschwester dem 8-Jährigen ein Kästchen. Darin lebt die Seele seines Vaters weiter.

Die Geschichte von Rafael Zohler erzählt von einem bewegenden Liebesbeweis. Das einzigartige Geschenk, das Rafael von seinem jungen Vater mit auf den Weg bekommt, lässt keinen Zweifel daran, dass wahre Liebe sogar den Tod besiegen kann.

 

Flickr/Franco Dal Molin

 

Rafael ist 8 Jahre alt, als sein Vater plötzlich an Krebs erkrankt – im jungen Alter von 27 Jahren. Obwohl er weiß, dass er sterben wird, erzählt er seinem Sohn nichts davon. Im Gegenteil: Im Krankenbett schmieden Vater und Sohn Pläne für die Zukunft und träumen von Angelausflügen und großen Taten. Als sein Vater schließlich stirbt, ist Rafael untröstlich, aber dieses letzte „Lebenszeichen“ des Verstorbenen wird den kleinen Jungen sein Leben lang begleiten: Eine Krankenschwester drückt Rafael eine kleine Schatulle mit Briefen in die Hand, allesamt vom Vater geschrieben.

 

Imgur

 

Auf den Umschlägen stehen keine Adressen, sondern kurze Notizen. Auf dem ersten Brief steht: „Wenn ich nicht mehr bin.“ Rafael öffnet den Brief:

 

„Mein Sohn,

wenn du das hier liest, bin ich bereits tot. Es tut mir leid – ich habe es vor dir geheim gehalten. Ich hab dir nichts gesagt, damit du nicht weinst. Es war meine Entscheidung. Ich denke, jemand der so kurz vor dem Tod steht, darf ruhig etwas egoistisch sein. Es gibt noch so viel, das ich dir zeigen möchte – vieles, was du noch nicht verstehst. Darum habe ich dir diese Briefe geschrieben.

Öffne sie erst in dem vorgegebenen Moment, okay? Das soll unser geheimer Pakt sein. Ich liebe dich. Pass auf Mama auf. Du bist jetzt der Mann im Haus. In Liebe – dein Papa.

 

Ps. Für Mama gibt es keine Briefe – die hat bereits das Auto bekommen.“

 

Rafael ist gleichermaßen bezaubert und getröstet von diesem originellen Abschiedsgeschenk. Ihm ist, als ob sein Vater nicht gestorben wäre, sondern als ob er ihn in dem kleinen Kästchen für immer bei sich trägt. Für jede besondere Lebenslage hat der Vater einen Brief vorbereitet. Rafael hält sich an die Abmachung und öffnet den Brief immer erst in dem Moment, der auf dem Umschlag beschrieben ist.

 

Flickr/Amanda

 

Rafael wird größer, aber die Briefe seines Vaters begleiten ihn – auch über die schwierige Phase der Pubertät. Mit 15 Jahren hat Rafael einen schlimmen Streit mit seiner Mutter über ihren neuen Freund, der in Rafaels Augen nicht gut genug für seine Mutter ist, sondern nur ein „Mann aus der Kneipe“. Für diese Bemerkung fängt sich Rafael eine Ohrfeige. In seiner Wut steht ihm der Vater zur Seite. Mit einem Kloß im Hals öffnet Rafael den Umschlag mit dem Titel: „Wenn du den größten Krach mit deiner Mutter gehabt hast“:

 

„Rede mit ihr und bitte sie um Entschuldigung. Ich weiß nicht, wer angefangen hat und wer im Recht ist, aber ich kenne deine Mutter: Rede mit ihr und entschuldige dich. Das ist das beste, das du tun kannst.

Sie ist deine Mutter und sie liebt dich mehr als alles andere auf der Welt. Wusstest du, dass sie dich ohne Betäubung zur Welt gebracht hat, weil ihr jemand gesagt hatte, dass es so besser für dich sei? Hast du mal eine Frau bei der Entbindung gesehen? Brauchst du einen anderen Beweis für ihre Liebe?

Entschuldige dich und sie wird dir verzeihen.

 

Ich liebe dich.
Dein Vater“