Das hübsche Mädchen wird für die Mutter fast zum “Albtraum”. Denn was ihr aus dem Mund purzelt, ist erschütternd.

Das hübsche Mädchen wird für die Mutter fast zum “Albtraum”. Denn was ihr aus dem Mund purzelt, ist erschütternd.

 

Kinder sind die Unschuld in Person, und man traut ihnen nichts Schlimmes zu, aber manchmal muss man genau hinhören, was sie sagen. Diese Mutter merkt gerade noch rechtzeitig, was mit ihrer Tochter los ist. Sie erzählt eine wahre Geschichte, die alle Menschen angeht – nicht nur Eltern und Kinder.

 

flickr/Giles Clark

 

Ich werde den Tag nicht vergessen, an dem mir meine Tochter erzählte, dass Bethany, eine Viertklässlerin, sie nervt.
„Was hat sie dir getan?“, fragte ich sie mit gewecktem Beschützerinstinkt.
„Sie läuft mir auf dem Spielplatz hinterher und setzt sich in den Pausen neben mich!“, nörgelte sie, als ob das der entscheidende Punkt wäre, der mich überzeugen müsste.
„Das heißt, sie will mit dir befreundet sein?“, fragte ich skeptisch.

 

Ich begriff sofort, dass ich ein Problem hatte. Ich war dabei, meinen schlimmsten Albtraum großzuziehen. In meiner Horde von 5 Kindern war da plötzlich diese charismatische, freche, langbeinige, blonde, athletische Tanzmaus mit überschäumendem Selbstbewusstsein – und Herablassung gegenüber einem kleinen Mädchen, das leider nicht so war wie sie. Doch meine Tochter hatte Pech, denn ihre eigene Mutter WAR selbst eine Bethany in der Schule gewesen: Ich war ein Lockenschopf mit Sommersprossen, eine ewig unbeliebtes Mädel, das nach Freundschaft lechzte und das es zu selbstbewussten Mädchen, wie meine Tochter es war, hinzog. In unserem Gespräch schwankte ich zwischen Wut und Mitleid, aber eins war mir klar: Mama würde endlich Nägeln mit Köpfen machen.

 

Am nächsten Morgen ging der Kampf zweier Sturköpfe in die erste Runde: Kein schöner Anblick, aber ich siegte. Auf der katholischen Privatschule gab meine Tochter mit ihrer Clique den Ton an. Ein kurzes Telefonat mit Bethanys Mutter bestätigte meine Befürchtung: Meine Tochter und ihre Kohorte grenzten die unbeliebte Bethany nach allen Regeln der Kunst aus.

Ich weiß, einige Eltern werden sagen, ich hätte überreagiert, aber ich bin dafür, das Mobbing-Problem unserer Gesellschaft bei der Wurzel zu packen – indem ich es neu definiere: Die kalte Ignoranz und Ausgrenzung, die meine Tochter und ihre Clique an den Tag legten, war für mich eine subtile Spielart von Mobbing. Wohlgemerkt hatten mir die Lehrer und Bethanys Mutter versichert, es habe keine offenen Angriffe oder Beschimpfungen gegeben, nur Ablehnung und geballtes Desinteresse. Aber durch die Erfahrungen, die ich als Kind und als Mutter gemacht hatte, wusste ich, dass es so anfängt: mit Ausgrenzung und Ablehnung von Außenseitern.

 

Ich glaube, wir müssen offen mit unseren Kindern über antisoziales Verhalten reden, weil es alle Altersgruppen, Religionen und Ethnien betrifft. Es entsteht aus unserer Angst vor Ablehnung und unseren Minderwertigkeitskomplexen und mündet im Recht des Stärkeren. Der Erfolg, den ich in diesem Punkt mit meinen Kindern hatte, spricht für sich. Wir Eltern sind in der Pflicht, das Problem beim Namen zu nennen, weil wir selber Schmeichler und Ja-Sager sind, wenn es um unsere soziale Stellung geht. Aber jedes menschliche Wesen hat unseren Respekt verdient, und jeder Mensch kann eine Bereicherung sein, wenn man ihn lässt. Das müssen wir uns und unseren Kindern klarmachen.