Die Mutter geht mit einem Husten zum Arzt. 3 Stunden später kann ihr Sohn nur noch weinen.

Die Mutter geht mit einem Husten zum Arzt. 3 Stunden später kann ihr Sohn nur noch weinen.

 

Yeo-Min Jung aus einem kleinen Dorf in Südkorea hat mit diesem Beitrag den diesjährigen Schreibwettbewerb des Landes gewonnen. Dabei ist der Junge gerade einmal 13 Jahre alt und lebte bis dahin ein normales Leben eines Sechstklässlers.Doch damit ist es jetzt erst einmal vorbei, denn seine Worte sorgen für Aufsehen in der ganzen Welt. Nicht nur die Worte sind einzigartig – sondern vor allem auch die Geschichte dahinter.

 

Als bei seiner Mutter vor zwei Jahren eine schwere Form des Lymphdrüsen-Krebses festgestellt wurde, zog die Familie kurzerhand in ein einsames Bergdorf. Sie wählten bewusst die Ruhe und Abgeschiedenheit, um dem Trubel der Großstadt zu entgehen und mit der Hiobsbotschaft leben zu lernen. Doch für Yeo-Min war diese Umstellung ein tiefer und schmerzhafter Einschnitt, denn er musste seine gewohnte Umgebung und (noch viel schlimmer) alle seine Freunde zurücklassen. Um seinen Gefühlen ein Ventil zu geben, fing er mit dem Schreiben an. Das bewegende Ergebnis seiner Gedanken findest du hier:

Youtube/SBS

 

“Wie warm ist ein Herz?”

Am Ende eines Sommers gibt es immer diese eine Wolke, welche selbst der Wind nicht davonwehen kann. Für diese schwere Wolke sind selbst die Berge zu hoch, um sie zu überwinden. Es ist, als ob sie noch einmal kräftig Luft holt und sich stärkt, um den bald aufbrausenden Herbstwinden standzuhalten.

Meine Familie mag den Herbst am liebsten – besonders meine Mutter. Sie sagt immer, sie sei ein Kind des Herbstes und die schönste Zeit des Jahres. Sobald der Sommer seinen letzen warmen Gruß geschickt hat, ging sie hinaus in die Natur und genoss sie mit jeder Faser ihres Körpers. Jahrein und jahraus. Wenn der Herbst sich dann aber zum Winter verwandelt, wurde sie immer still und etwas traurig. Es war auch in den letzten Zügen des Herbstes vor zwei Jahren, als meine Mutter spürte, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Hustenkrämpfe packten sie und ließen sie nicht los.

Wir alle dachten, es wäre nichts Ernstes und bestimmt bald vorbei. Als wir zusammen in die Hauptstadt fuhren, fühlte es sich noch wie ein Familienausflug an. Doch dann kam der Arzt mit der Nachricht und sie riss uns den Boden unter den Füßen weg: Krebs. Fortgeschrittenes Stadium. Keine Aussicht auf Heilung. Falls dies ein böser Traum ist, dann weckt mich bitte sofort jemand auf. Mein Vater war es dann, der als Erster Worte fand:

“Sie müssen sich irren! Kann es nicht sein, dass Sie da etwas verwechseln? Meine Frau hat doch keinerlei Schmerzen. Nur immer dieser elende Husten…”

Der Blick des Arztes huschte zuerst über seine Unterlagen und wanderte dann zu uns. Er versuchte zu lächeln, doch ich merkte, dass es gespielt war. Dann schüttelte er nur den Kopf und sah traurig Richtung Boden. Mir lief eine warme Träne die Wange entlang.

Wir konnten das Krankenhaus noch eine ganze Weile nicht verlassen. Es war, als hielte uns etwas fest. Aber so schützte es uns auch vor all dem grellen Licht und dem Lärm der Welt. Unzählige Menschen gingen an uns vorbei, als wir auf den harten Stühlen saßen. Doch wir bemerkten sie nicht. Für uns war an diesem Tag die Zeit stehen geblieben.

Meine Mutter blieb auf dem Heimweg die ganze Zeit wortlos still. Aber es war nicht diese Herbstruhe, die wir von ihr kannten. Es war mehr. Sie war wie gefangen in ihren Gedanken und ließ niemanden daran teilhaben. Kaum waren wir zuhause, brach alles aus ihr heraus und ihre Gefühle fanden endlich einen Weg. Als ich sie weinen sah, konnte ich auch nicht mehr anders. Wir umarmten uns und unsere Tränen vermischten sich.