Diese Menschen haben alle Regeln gebrochen. Was sie heute davon haben, ist kaum zu glauben.

Diese Menschen haben alle Regeln gebrochen. Was sie heute davon haben, ist kaum zu glauben.

 

Eine Sache, die das Leben spannend macht, ist, dass man nie weiß, wohin es einen mal führen wird. Jeden Tag treffen wir Entscheidungen, die unseren weiteren Weg beeinflussen. Im Rückblick ist es spannend zu sehen, welche Phasen man durchlaufen hat, um zu dem Menschen zu werden, der man heute ist. Diese Menschen haben eine besonders spannende Lebensgeschichte. Sie alle waren in der britischen Punkszene Anfang der 70er Jahre aktiv. Es war eine wilde Zeit voller Umbrüche, wirtschaftlicher Kollapse – der Beginn einer neuen Ära. Unter der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher und der einhergehenden Wirtschaftskrise, bot die entstehende Punkszene ein Ventil und einen Gegenentwurf für Jugendliche, die Autorität und die konservativen Werte ihrer Eltern in Frage stellten. Hier erinnern sich sechs prägende Figuren an die Zeit, als der Status quo in Frage gestellt wurde.

 

Ausaf Abbas, 55
Damals: Bassist bei Alien Kulture
Heute: Investmentbanker

Facebook/Alan-Powdrill-Photography

 

„Wir glaubten an die simple Idee von Punk: „Hier ist ein Akkord, hier noch einer und hier ist der dritte – jetzt gründe eine Band.“ Einen Bass hatte ich tatsächlich das erste Mal bei unserer ersten Probe in der Hand, aber das war egal. Es ging um die Energie! Wir gehörten der intellektuellen Seite vom Punk an. Daher kam auch unser Name: Margaret Thatcher sprach in einer Rede von der Gefahr durch eine “Alien Culture” (einer fremden bzw. Migrantenkultur). Als Kinder von Einwanderern haben wir uns damit natürlich angegriffen gefühlt und wir engagierten uns sehr stark gegen Rassismus. Auch unsere Trennung war letztendlich sehr typisch. Unser Schlagzeuger und ich waren beide an der Universität und kurz vor dem Abschluss. Da mir klar war, dass ich nie mein Geld mit der Musik verdienen würde, entschied ich mich für die Uni. Danach fing ich an für BP zu arbeiten und habe mich nach und nach in der Wirtschaft hochgearbeitet. Mein jugendliches Ich wäre wahrscheinlich entsetzt, aber ich kann auch mit meinem Geld Gutes tun. So konnte ich zum Beispiel, ohne zu zögern über 1.200€ an Amnesty International spenden und so 12 Leben retten. Heute bin ich 55 Jahre alt, habe eine Glatze und einen Bauch. Doch mein Leben hat es mir ermöglicht, Staatschefs zu treffen und die Vorstände riesiger Unternehmen. Manchmal denken Leute, ich würde scherzen wenn ich von meiner Zeit als Punk erzähle. Aber ich bin stolz auf das, was wir damals taten. Als Sohn einer allein erziehenden Mutter aus Pakistan in Brixton habe ich es sehr weit gebracht. Und damals standen wir als erste für die asiatischen Jugendlichen in England ein. Wer wäre da nicht stolz?“

 

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Terry Chimes, 59
Damals: Schlagzeuger bei The Clash
Heute: Chiropraktiker

Facebook/Alan-Powdrill-Photography

 

„Damals wollte ich einfach nur in einer Band sein und das war die beste Band, die ich finden konnte. Bei The Clash war jeder wütend. Wütend auf die Welt und wütend auf das Etablissement. Nur ich nicht. Deshalb stieg ich auch später aus. Als Kind hatte ich den Traum, Arzt zu werden. Doch irgendwie wollte ich auch Musiker sein. Beides auf einmal ist schwierig, da musste ich mich entscheiden. Zu der Zeit gewann der Musiker in mir – wenn man jung ist, muss man einfach Musik machen. Nachdem ich 15 Jahre lang mit The Clash, Black Sabbath und den Hanoi Rocks gespielt hatte, regte sich die Sehnsucht zur Medizin wieder mit Macht in mir. Also beschloss ich 1988, im Alter von 32 Jahren, die Musik hinter mir zu lassen und begann mein Studium. Meine Freunde waren nicht sehr überrascht und sagten, dass sie sich gut vorstellen könnten, wie ich Pillen verschreibe, da ich irgendwie schon immer wie ein “Arzt” gewesen sei. Nach 5 Jahren war es soweit und ich begann als Chiropraktiker zu arbeiten. Als Musiker habe ich hautnah miterlebt, wie der Lebenswandel die Gesundheit beeinflusst. Ich wollte Menschen helfen und habe über 45.000 Patienten behandelt. Manche sind an meiner Vergangenheit interessiert, doch die meisten interessiert vor allem, dass ich ihre Schmerzen lindere. Manchmal werde ich gefragt, ob ich es denn nicht vermisse, vor 70.000 Leuten auf der Bühne zu stehen. Dabei werde ich bestimmt 70.000 Menschen behandelt haben bevor ich sterbe. 70.0000 Menschen die ich gesund und glücklich machte. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals damit aufzuhören. “

 

Facebook/Alan-Powdrill-Photography