Einfach so nimmt der elegante Mann dem blinden Bettler das Schild weg und schreibt etwas anderes darauf. Plötzlich sind die Leute mehr als großzügig.

Er will schon weitergehen, da hält er plötzlich inne. Wie einer Eingebung folgend, wendet er sich dem jungen Bettler zu und nimmt das Schild in die Hand. Nachdem er es kurz betrachtet hat, dreht er es kurzentschlossen um und schreibt einen Satz auf die freie Seite. Dann stellt er das Schild mit dem neuen Satz vor dem Jungen auf, wünscht ihm einen schönen Tag und geht seiner Wege. Nachdenklich lauscht der junge Bettler dem langsam verstummenden Geräusch der Schritte des Mannes.

Kurz danach ändert sich etwas: Die Schale füllt sich schneller als sonst. Der blinde Mann kann es kaum glauben, denn so großzügig waren die Vorbeigehenden noch nie. Der Blinde fragt sich, was der Mann wohl geschrieben haben könnte. Er erfährt es, als der Mann auf dem Rückweg wieder an ihm vorbeikommt. Als der Unbekannte den bettelnden Mann grüßt, erkennt dieser seine Stimme und spricht ihn an. Er fragt den Mann, was er auf sein Schild geschrieben hat. Seine Antwort verblüfft ihn: „Einfach nur die Wahrheit. Ich habe genau das Gleiche gesagt wie du, nur mit anderen Worten. Auf dem Schild steht jetzt: ‘Heute ist ein wunderbarer Tag und ich kann ihn nicht sehen.’“

Der hinter den verschiedenen Aufschriften stehende Wunsch mag gleich sein, doch die Botschaft ist eine andere. Der ursprüngliche Satz sagte, dass der junge Mann blind ist und Hilfe braucht. Die veränderte Nachricht sagt, dass die Menschen froh sein können, diesen schönen Tag mit allen Sinnen zu genießen. Ein blauer Himmel, blühende Blumen oder auch nur eine schöne Weihnachtsdeko, all dies sind Dinge und Eindrücke, die den Alltag verschönern können. Viel zu oft sehen wir die schönen Dinge nicht und konzentrieren uns vielmehr darauf, was uns stört oder was uns fehlt. Dabei gibt es täglich tausend Gründe, dankbar zu sein. Man kann sich auf das Elend konzentrieren oder man kann mit einem Lächeln durch die Welt gehen.