Erst als sie keine Haare und keine Brüste mehr hat, sieht diese Frau ihre wahre Schönheit.

Erst als sie keine Haare und keine Brüste mehr hat, sieht diese Frau ihre wahre Schönheit.

 

Die 41-jährige Mieko Rye verdient ihr Geld mit ihrem Körper, denn sie ist ein international erfolgreiches Model. Als sie eines Tages einen Knoten in ihrer Brust entdeckt, bewahrheitet sich ihre schlimmste Ahnung: Es ist Krebs! Sofort muss sie sich einer 20-wöchigen Chemotherapie unterziehen. Doch nicht nur körperlich macht ihr die Behandlung zu schaffen. Auch seelisch hinterlässt der Krebs schlimme Spuren. Sie schreibt: „Zähneputzen war ein Albtraum, denn ich konnte dabei nicht in den Spiegel schauen. Diesen Anblick habe ich einfach nicht ertragen. Ich wusste, dass es nicht leicht wird, aber ich hatte das Gefühl, wenn ich den Krebs schon spüre, dann muss ich meine Krankheit nicht auch noch sehen.”

Facebook/miekorye

Da greift sie zu einer drastischen Selbsttherapie: Um sich selber und anderen Frauen Mut zu machen, kommt ihr die Idee zu einem ganz besonderen Fotoshooting. Sie reiht die Bilder aneinander – ein Werbefoto, eins von ihrem Körper während der Therapie und schließlich ein Bild von ihrem Gesicht ohne Haare. Um zu zeigen, dass sie immer noch sie selber ist. Dass sie immer noch stark ist und kämpft. Sie postet das Bild auf Facebook und die Reaktionen sind absolut umwerfend. Zehntausende machen ihr Mut, posten ihre eigene Geschichte und sind angesteckt von ihrem Kämpferherz. Mieko schreibt:

„Ich hatte die Idee für ein Fotoshooting, während ich mit dem Krebs kämpfe. Als ich vor 20 Jahren meine Karriere als Model begann, erfüllte ich in keiner Weise das amerikanische Schönheitsideal. Alle sagten mir, ich sei zu dunkel, zu hell, zu kurvig. Mein Haar war angeblich zu trocken, zu lockig oder einfach zu voluminös. Kein Visagist konnte mich richtig schminken, weil sie nie die richtige Grundierung für meinen Hautton dabei hatten.

Aber dann kamen die weiblichen brasilianischen Models in die Szene und ihnen verdanke ich alles. Auf einmal hatte ich eine Nische für mich gefunden. Plötzlich war es cool, “exotisch”, “ethnisch” und “braun” zu sein.

Heute allerdings habe ich nicht mehr die Eigenschaften, die wir an Frauen als schön betrachten … Augenbrauen, Haare, Wimpern und bald auch meine Brüste …

Chemotherapie zerstört deinen Körper langsam. Alles, was mich zusammen hält, ist im Moment durcheinander und in Schieflage.

Es ist wahrhaft eine Lektion in Demut, wenn man von einem Tag auf den anderen nicht mehr international reist und arbeitet, sondern an das Bett gefesselt ist. Jeder einzelne Tag ist eine Herausforderung, wenn Kleinigkeiten wie essen, spazieren gehen oder mein Kind in die Arme zu nehmen nicht mehr funktionieren. Ich durfte plötzlich in meinem eigenen Leben nicht mehr mitspielen.

Mit dem Krebs kommt die Zerstörung. Dennoch hat er es mir erlaubt, mich von innen neu zu erfinden. Alles, was nicht nötig ist, habe ich abgeworfen und wenn ich ehrlich bin, hat es mir geholfen, zu wachsen.

Lebendig zu sein ist im Kern eine sehr einsame Tatsache, aber das akzeptiere ich … Denn ich liebe und genieße die Frau, zu der ich geworden bin. Wenn ich sage, ich sei alleine, dann meine ich damit, dass ich frei bin. Frei von einem Mann, einer Karriere, einer Rolle oder einem Titel, an den ich mich früher geklammert habe, um mich zu definieren. Mein Glück hängt nicht von der Liebe, der Bestätigung oder der Loyalität von anderen ab.