Mit letzter Kraft haucht der 33-Jährige etwas ins Ohr der Krankenschwester. Dann stürmt sie los, um ihm den letzten Wunsch zu erfüllen.

Drei Jahre lang kämpfte Raul gegen den Krebs, doch er hatte keine Chance. Als er im Dezember 2016 im Krankenhaus lag, war es an der Zeit, seinen letzten Wunsch zu äußern. Er flüsterte der Krankenschwester mit schwindenden Kräften ins Ohr: „Ich will sie heiraten! Ich will, dass sie mein ist.“

Mit Tränen in den Augen setzte die Krankenschwester alle Hebel in Bewegung. Sie lief los, rüttelte die Behörden und Kollegen wach und schaffte es in kürzester Zeit, eine komplette Hochzeit auf die Beine zu stellen. Die Krankenhauscafeteria buk eine Hochzeitstorte, der hausinterne Blumenladen besorgte die Dekoration, ein Pfleger brachte seinen Anzug, damit Raul so schick wie möglich sein konnte, und die Krankenhausgeräte wurden mit weißen Tüchern verhängt. Eine Pfarrerin kam – und dann war es endlich so weit.

Nach 9 Jahren des Verlobtseins betrat die Braut das Krankenzimmer, unter Tränen der Freude und Trauer. Niemand im Raum konnte seine Ergriffenheit verbergen. Und es geschah ein weiteres kleines Wunder: Solange die Zeremonie dauerte, brauchte kein anderer Patient auf der Station Hilfe, sodass Raul und Yvonne für einige Minuten der absolute Mittelpunkt für alle sein konnten. Und so schworen sie sich ewige Treue und tauschten die Ringe.

Im Angesicht des Todes konnte der Bräutigam noch seinen größten Wunsch erfüllen. Mit der Gewissheit, seine Familie komplettiert zu haben, verließ ihn nach 36 Stunden Ehe das Leben. Die Erinnerung an ihn wird aber für immer bleiben. Yvonne sagte über Raul: „Wenn ich einen schlechten Tag hatte, brachte er mich zum Lächeln. Er verwandelte einen miesen Tag in einen guten.“