Als das Mädchen am Bett seines sterbenden Opas sitzt, öffnet sich die Tür. Sie kann kaum glauben, wer da hineintritt.

Wahre Freunde sind ein echtes Geschenk. Nichts auf der Welt ist so wertvoll wie die Wärme und Nähe, die Menschen einander geben können. Die Geschichte dieses Mädchens und seines Großvaters zeigt das allzu deutlich. Sie wurde auf der Seite “Rumor has it” hochgeladen und berührt Menschen weltweit.

 

„Jeden Samstag ging ich zusammen mit meinem Großvater in das Altersheim, das ein paar Straßen von uns entfernt steht. Meine Mutter war nicht so begeistert, weil ich lieber den Samstag mit meinem Großvater verbrachte, anstatt mit meinen Freunden zu spielen. Wir besuchten viele der alten und kranken Leute die im Heim lebten, weil sie nicht mehr alleine leben konnten. Mein Großvater sagte immer: „Wer die Kranken besucht, schenkt ihnen Leben.“

 

Twitter/AlexRozierK5

 

Zuerst besuchten wir Frau Sokol. Ich habe sie immer die “Köchin” genannt, denn sie sprach ständig davon, wie berühmt sie als Köchin in Russland war. Die Leute seien von weit her gekommen, nur um ihre berühmte Hühnersuppe zu probieren.

Danach kam Herr Meyer, den ich nur den “Witzbold” nannte. Wir saßen an seinem Esstisch und er erzählte uns Witze. Manche waren super lustig, andere nicht. Manche habe ich auch nicht verstanden. Doch der Witzbold lachte immer über seine eigenen Scherze, er schüttelte sich vor Lachen, bis er ganz rot im Gesicht wurde. Spätestens dann konnten Großvater und ich auch nicht mehr an uns halten und wir lachten mit, auch wenn der Witz selber gar nicht lustig gewesen war.

Eine Tür weiter lebte Herr Lipman, der “Sänger”. Er liebte es für uns zu singen und dann erfüllte seine wunderschöne Stimme die Luft. Sie war so klar und kräftig, so mitreißend, dass wir einfach einstimmen mussten.

Die “Großmutter” Frau Kagan zeigte uns immer stolz die Fotos ihrer Enkelkinder. Sie waren im ganzen Raum verteilt, in Rahmen, Fotoalben und sogar an die Wände geklebt. Der Raum von Frau Schrieber dagegen war voller Erinnerungen. Erinnerungen, die zum Leben erweckt wurden, wenn sie uns die Geschichten aus ihrem Leben erzählte. So wurde sie zur “Erinnerungsdame”. Dann war da noch Herr Krull, der “stille Mann”. Er sagte nie sehr viel, er hörte meinem Großvater oder mir zu, lächelte und nickte. Am Ende sagte er immer, wir sollten nächste Woche wiederkommen. Das sagten alle, sogar die Frau am Empfang.

Jede Woche gingen wir zu dem Heim, bei Regen und bei Sonnenschein. Gemeinsam besuchten wir unsere Freunde: Die Köchin, den Witzbold, den Sänger, die Großmutter, die Erinnerungsdame und den stillen Mann. Doch eines Tages wurde Großvater sehr krank und musste ins Krankenhaus. Dort sagten die Ärzte, dass sie keine große Hoffnung hätten.

Da kam der nächste Samstag und es war an der Zeit, das Pflegeheim zu besuchen. Aber wie könnte ich ohne meinen Großvater dort hingehen? Dann erinnerte ich mich daran, was er mir einmal gesagt hatte: „Nichts soll zwischen dir und einer guten Tat stehen.“ Also ging ich alleine los. Denn derjenige, der die Kranken besucht, schenkt ihnen Leben. Alle waren überglücklich, mich zu sehen, doch sie wunderten sich, wo denn mein Großvater sei. Als ich ihnen dann erzählte, dass mein Opa im Krankenhaus liegt, konnten sie alle deutlich sehen, wie traurig ich war und sie versuchten, mich aufzumuntern.