Die Eltern sagen, ihre Tochter sei von Dämonen besessen. Vor Gericht kommt die Wahrheit ans Licht.

Um sich zu „reinigen“, hört Anneliese ganz auf zu essen, kniet stundenlang auf der Erde und schlägt ihren Kopf auf den Boden. Sie verletzt sich selbst und foltert sich jeden Tag mit Hunderten von Kniebeugen. Ihre Familie fesselt sie schließlich ans Bett. Sie glaubt, die Wundmale von Jesus an ihren Händen und Füßen zu spüren.

Am 1. Juli 1976, einen Tag nach ihrem letzten Exorzismus, stirbt Anneliese Michel an Unterernährung und Entkräftung. Zum Zeitpunkt ihres Todes wiegt sie nur noch 31 Kilogramm, hat eine schwere Lungenentzündung und zahlreiche Verletzungen. Sie wurde nicht einmal 24 Jahre alt.

Annelieses Eltern sowie die beiden Geistlichen werden der fahrlässigen Tötung durch unterlassene Hilfeleistung angeklagt. Das Gerichtsverfahren, das als der „Aschaffenburger Exorzismus-Prozess“ in die Geschichte eingeht, wird von Berichterstattern aus der ganzen Welt verfolgt. Noch vor Gericht glauben die Angeklagten fest daran, dass die Besessenheit und die Dämonen real gewesen seien.

Das Gericht glaubt an keine Dämonen. Die beiden Geistlichen werden zu Bewährungsstrafen verurteilt, für Annelieses Eltern wird keine Strafe gefordert, da sie am Tod ihres Kindes schon schwer genug zu tragen hätten.

Die katholische Kirche überarbeitete nach Annelieses Tod ihre Anleitungen zum Exorzismus und schreibt seitdem unter anderem vor, dass das Ritual abgebrochen werden muss, wenn der Betroffene ärztliche Hilfe ablehnt.

Als 2005 „Der Exorzismus von Emily Rose“ in den Kinos anläuft, fragt man Annelieses Mutter noch einmal nach den Ereignissen von 1976. Sie bereue nichts, sagt sie. Gott habe ihr befohlen, die Dämonen ihrer Tochter auszutreiben.

Für Anneliese kam jede Hilfe zu spät. Bleibt zu hoffen, dass zukünftige Generationen aus ihrem traurigen Schicksal lernen, damit kranke Menschen rechtzeitig die medizinische Hilfe bekommen, die sie brauchen.